Archiv der Kategorie: Fotografie

Nebelschwaden

Ich habe mir für den Herbst und Winter vorgenommen auch bei ’schlechtem‘ Wetter fotografieren zu fahren. Bisher bin ich eher so der Schönwetterfotograf. Überwiegend ist das auch gar kein Problem, weil ich das ‚knalliges‘ Licht für SW Aufnahmen bevorzuge. Dennoch gibt es auch andere Licht- und Wettersituationen, welche fotografisch spannend sind. Z.b. morgendlicher Herbstnebel in der Sächsischen Schweiz.

Unterwegs im Tagebau

Ein fotografisches Thema, welches mich seit etwa 3 Jahren verstärkt interessiert, hat diesen Sommer einen neuen Schub bekommen. Gerade auch durch die Diskussion um den Kohleausstieg Deutschlands und den Aktionen von Klimaschützern haben die Braunkohlestandorte auch in der allgemeinen Öffentlichkeit wieder eine neue Aufmerksamkeit bekommen. Mich persönlich begleitet das Thema bereits seit meiner Kindheit. Meine Familie musste aufgrund eines Braunkohletagebaus in den 80er Jahren umsiedeln. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass diese Auslöschung von Heimat lebenslange Konsequenzen für Betroffene hat. Schon vor 10 Jahren habe ich bereits verlassenen Orte am Rande der Braunkohleindustrie besucht. Der fotografische Schwerpunkt meiner Arbeit liegt nun in der Dokumentation der Folgelandschaften des Bergbaus. Die sogenannte Rekultivierung der Tagebaulöcher ist sehr vielfältig und nicht immer verläuft bzw. verlief alles nach Plan. So soll diese Serie vor allem auch kritisch auf die diese doppelte Umformung von Landschaft blicken.

Rekultiviert
Touristischer Radweg nach ‚erfolgreicher‘ Rekultivierung

4×5 im Biotop

Leider fehlte mir zuletzt die Zeit, um zu fotografieren. Das ist sehr schade, denn gerade das Frühjahr halte ich für sehr interessant für Fototouren in Naturlandschaften. Gerade bei klassischen SW Aufnahmen ist es ein Vorteil, wenn noch nicht alles so zugewachsen ist. Bei zu viel Grün bzw. Grau im Bild wird es schwieriger starke Kontraste herauszustellen. Im Hochsommer sind viele Motive nur schlecht zugänglich und man muss wieder bis zum Spätherbst abwarten. Eine kreative Ausweichmöglichkeit besteht noch mit der Infrarotfotografie oder man sucht nach kargeren Landschaftsbildern. Das wird wohl mein Weg für die nächsten Monate sein.

4×5 110mm / Adox CHS II

Angekommen im Großformat

In den letzten 5 Jahren habe ich zahlreiche Kameras und Filmformate ausprobieren können. Meine ersten analogen Aufnahmen habe ich mit Kleinbildkameras gemacht. Das waren aber höchstens zwei Filme. Anschließend ging es mit einer Zenza Bronica im Mittelformat weiter. Das war schon eher mein Fall, tolle Technik und ein mega Potential durch die größeren Negative. Später habe ich dann eine seltene 6×12 Kamera ersteigern können und erste Erfahrungen mit noch größeren Negativen machen können. Das 6×12 Format ist für mich bis heute eines der genialsten Formate in der Fotografie. Viel natürlicher und damit auch brauchbarer als das 6×17-Extrem. Der nächste Schritt war dann eine Kamera mit Shift Funktion im 6×9 Format. Von da an ist es nicht mehr weit und man landet im ‚echten‘ Großformat, 4×5 inch, Planfilm… oje, Planfilm? Das Großformat hatte ich schon lange auf dem Schirm, aber den Gedanken daran immer recht schnell verworfen aufgrund des Planfilms. Der ist doch einfach nur teuer und unhandlich, einfach unpraktisch. Das ist auch irgendwie so. Man braucht auch noch extra Planfilmkassetten, zwei neue über 100€, wow. 2 Planfilme je Kassette. Unterwegs Film wechseln ist möglich, aber einfach nur nervig. Aber wo Schatten ist, gibt es bekanntlich auch Licht. Mit der Zeit und vielen Experimenten habe ich gelernt, dass viele Kameras und Formate trotzdem Ihre Berechtigung haben. Um genauer zu sein, sie haben Ihre optimalen Einsatzgebiete. Für die Streetfotografie ist die 4×5 Balgenkamera nicht gut geeignet, aber in der Still Life Fotografie hat sie Ihre unbestreitbaren Vorteile gegenüber den kleineren Formaten. Meine ersten 6 Sheets mit Fomapan 100 S/W Film waren leicht unterbelichtet. Ich habe vergessen den Schwarzschild Effekt zu berücksichtigen. Anfängerfehler passieren auch immer wieder den Fortgeschrittenen. Nach den ersten Scans war ich trotz alledem beeindruckt, was für Details in diesen gewaltigen Negativen stecken. Diese Details machen Lust auf mehr. 2019 wird also mein erstes fotografischen Jahr mit dem Großformat. Mein Plan ist vor allem Landschaftsaufnahmen zu machen und dabei auch möglichst nachhaltig zu fotografieren. Bei der Kamerawahl setze ich auf eine sehr leichte Kamera, welche es mir ermöglicht auch mit dem Fahrrad und gut zu Fuß unterwegs zu sein. Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Ich werde hier sporadisch berichten…

Im Wald mit der 4×5 Kamera

4×5 150mm / Fomapan 100

2018 in Bildern

Gefühlt habe ich 2018 wenig fotografiert. Ab und zu hatte ich eine Kamera dabei, wenn ich Berlin unterwegs war. Insgesamt war das oft unproduktiv. Das ist nicht schlimm für mich, denn Fotografie bedeutet auch sich Motive und Bilder langsam zu erarbeiten. Eine Ausnahme bildet ein wenig der 9.Mai am Treptower Ehrenmal. Innerhalb von 3-4 Std habe ich 4 120er Filme vollbekommen ohne großen Ausschuss. Das ist für mich schon etwas besonderes. Einen Beitrag dazu hatte ich in diesem Jahr schon geschrieben.

Auch abseits der Großstadt habe ich dieses Jahr Ausschau nach neuen Bildern gemacht. Insgesamt drei mal war ich dieses Jahr in der Sächsischen Schweiz. Ich hatte mir schon länger überlegt, dass mal zu probieren und ich bin sehr froh darüber. Zum Fotografieren kommt natürlich hinzu, dass man zwangsläufig wandern muss, um seine Motive zu erreichen. Zwei mal bin ich mit Familie und Freunden dort gewesen. Einmal komplett allein mit mehreren Kameras. Ich habe die Zeit im Elbsandsteingebirge genutzt, um zu probieren, welche Kameras, Brennweiten und Bildformate geeignet sein könnten, um Bilder zu schaffen, welchen meinen Vorstellungen entsprechen. Die besten Ergebnisse habe ich mit meiner Fuji GS645w 60mm im Hochkantformat erzielt. Im nächsten Jahr möchte ich an der Stelle weitermachen und 4×5 inch im Hochformat ausprobieren.

Eine größere Fotoreise habe ich in diesem Jahr leider nicht mehr geschafft. Das hatte unterschiedlichste Gründe. Irgendwie hatte ich auch ein schlechtes Gewissen schon wieder in ein Flugzeug zu steigen nach einem Jahr, in dem die Jahresdurchschnittstemperatur einen weiteren Rekordwert erreicht hat. Vielen Menschen ist ihr Gewissen an so einem Punkt plötzlich egal. Mir nicht. 

Im Jahr 2018 habe ich einige Ausstellungen in Berlin sehen können. Die für mich besten Ausstellungen waren auch im letzten Jahr in der C/O Galerie zu sehen. Es ist leider etwas Schade, dass im Deutschen Museum für Fotografie nahezu 80% der Fläche von Helmut Newtons Dauerausstellung belegt sind. Wenn man bedenkt, was für gewaltige Archive dort verwaltet werden, könnte ein wenig mehr Abwechslung sicherlich nicht schaden. Im Oktober liefen dann jede menge neue Ausstellungen zum #EMOP in Berlin an. Einige der größeren Ausstellungen habe ich mir auch angesehen. Vivian Maier war wieder im Willy Brandt Haus zu sehen. Leider gab es keine neuen Bilder zu sehen. Es wurde stark mit Ihren Farbbildern geworben, welche leider nicht das Niveau ihrer frühen S/W Aufnahmen haben. Außerdem wurden die Farbaufnahmen auch schon vor drei Jahren gezeigt. Das spektakuläre an der Ausstellung waren digitalisierte 8mm Aufnahmen, welche sehr schön zeigen, wie sich Vivian Maier Ihre Bilder mühsam erarbeitet hat. Ich bin wirklich gespannt, ob aus dem Archiv den John Maloof nochmal etwas nachkommt.  Mein #EMOP Highlight war eine Ausstellung im Alliierten Museum in Dahlem mit Bildern aus dem Alltag US Amerikanischer Soldaten in Deutschland. Die Alltagsbilder der Soldaten waren mehrheitlich gestellt, hatten aber eine wunderbare Ästhetik und waren technisch super umgesetzt. Die kaschierten Prints auf Holz waren von einer super Qualität. Schlechte Prints auf Ausstellungen sind ja leider nicht selten.

Legends Of Skateboarding

Ilford hat in den letzten Wochen eine dreiteilige Dokureihe zu Skateboardfotografen auf Ihren Youtube Channel hochgeladen. Ich möchte jetzt gar nicht weiter darauf eingehen, warum mir das so sehr gefällt. An der Geschichte gefällt mir nämlich so ziemlich alles: Skateboarding, Filmfotografie, Ilford, die beteiligten Fotografen etc etc… [LINK]

Bang Bang Club

Gestern lief bei ARD One der Film Bang Bang Club. Er handelt von vier Pressefotografen, welche zur Zeit der Aufstände gegen die Apartheid in Südafrika die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen festgehalten haben. Der Film ist dokumentarisch und zeigt wahre Begebenheiten aus der Arbeit von Kriegsfotografen. Zwei Mitglieder des Clubs haben mit Ihren Fotos einen Pulitzer Preis gewonnen. Der Film hat mir vor allem deshalb so gut gefallen, weil er das Grunddilemma eines Kriegsfotografen offenlegt. Hinter jedem grausamen Kriegsfoto steckt ein Fotograf und immer wieder stellt sich die moralische Frage, warum dieser ein Foto nach dem anderen wie ein stiller Beobachter macht und nicht versucht etwas an der Situation zu ändern. Beim Sehen des Films kam mir auch immer wieder das Buch von Susan Sontag  „Das Leiden anderer betrachten“ in den Sinn, welche sich auch mit dieser Problematik beschäftigt hat. [Achtung Spoiler] Im Film haben alle vier Fotografen Probleme mit Ihrer eigenen Rolle in den Konflikten. Am Ende wird aber sehr gut aufgezeigt, dass auch die Fotografen zu Opfern des Krieges werden. Zwar ernten sie kurzeitigen Ruhm, aber langfristig bleiben die schrecklichen Bilder auch in Ihren Köpfen hängen. Einer der vier Fotografen stirbt sogar noch selbst in einem der Straßenkämpfe. Die immer extremeren Bilder des Bang Bang Club haben einen hohen Preis. Ein weiterer Fotograf aus dem Club geht an seinen psychischen Problemen kaputt und begeht letztendlich Selbstmord. Wer sich etwas intensiver mit der Fotografie beschäftigen möchte, sollte Susan Sontag lesen und definitiv diesen Film sehen.

9/11/2018

Heute ist wieder der 11.September und es sind mittlerweile 17 Jahre seit dem Anschlag auf die Türme des World Trade Centers vergangen. In New York wird heute wieder den Opfern gedacht. (Live: https://www.ustream.tv/911memorial) Am Abend werden auch wieder die Memorial Lights zu sehen sein. Für mich ist heute auch ein besonderer Tag, denn es ist ein Jahr her, dass ich selbst in New York war. Unter anderem aus diesem Grund verfolge ich auch ein wenig was heute vor Ort passiert, was in Medien geschrieben wird oder was private Leute auf Instagram posten. Ganz interessant finde ich z.B. diesen Augenzeugen Bericht auf Spiegel Online. Die Geschichten rund um diesen einen Tag sind immer wieder beeindruckend. Am meisten präsent sind natürlich die ganzen Geschichten von den Helden dieses Tages und den Opfern des Anschlages. Besonders interessant finde ich aber auch die Geschichten von Menschen, welche durch scheinbar seltsame Zufälle an diesem Tag nicht an ihrem Arbeitsplatz in einem der Bürotürme erschienen sind und ohne Schaden davon gekommen sind.

NYC 11.September 2017