Archiv der Kategorie: Fotografie

New York 2017

NYC Skyline vom Rockefeller Center. Das Licht war leider suboptimal.

Warum in die USA

Meine Sehnsucht endlich mal in die USA zu reisen, ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Angefangen hat es in meiner Schulzeit, in welcher ich sehr stark an politischen Themen interessiert war und zum anderen auch einen Englisch Schwerpunkt im Abitur hatte. Als am Nachmittag des 9.Septembers 2001 der Anschlag auf das WTC in New York statt gefunden hat, bin ich gerade von der Schule nach Hause gekommen. Den Rest des Tages habe ich wie viele anderen Menschen vor dem TV verbracht. Am nächsten Morgen hatte ich Englisch Unterricht und wir haben in den ersten zwei Unterrichtsstunden nichts weiteres gemacht, als die neuesten Entwicklungen in den USA verfolgt. Das war eine sehr prägende Zeit für mich, welche mein Interesse an den Vereinigten Staaten weiter nachhaltig beeinflusst hat. Als ich dann mit dem Platten kaufen und Auflegen angefangen habe, kam ein weiterer Faktor hinzu, welcher mich noch stärker prägen sollte. Die elektronische Musik aus Detroit, Chicago und New York hat mich schnell begeistert. Ob nun House aus New York, Deep House aus Chicago oder der rohe Detroit Sound, ich habe alles aufgesogen und immer mehr Platten von Künstlern von drüben gekauft und gespielt. Auch über zehn Jahre später hat sich da bei mir nur wenig geändert. Der musikalische Einfluss von der Ostküste der USA ist für mich immer noch der wichtigste. Vor ungefähr 8 Jahren kam dann noch die Fotografie dazu. 2010 ist Instagram gestartet und ich hatte damals auch schonmal einen Account dort. Weil ich anfangs fast nur Lost Places fotografiert habe, hatte ich schnell jede Menge Fotografen aus Detroit, New York und Chicago abonniert. Die hatten einfach unglaubliche Orte dort drüben, wobei ich denke, dass die auch von unseren Orten fasziniert waren… 😉 Nach und nach hatte sich für mich also ein komplettes Bild ergeben. Zum einen war da mein allgemeines Interesse an dem Land, dann die Musik und zum Schluss dieser neuartige Einblick in die Orte durch Instagram. Im letzten Jahr war es dann soweit, dass ich mich endlich mal durchringen konnte zu fliegen. Meine Entscheidung erstmal nach New York und nicht nach Detroit oder Chicago zu fliegen hat sich in den letzten zwei Jahren etabliert. Vor allem meine kleine New York Fotobuchsammlung und die ein oder andere Ausstellung haben meine Entscheidung bestimmt.

Nachtaufnahmen von Lower Manhatten. Rechts: Memorial Lights.

Der Reisezeitpunkt

Ich wusste von Anfang an wann ich nach New York fliegen möchte. Der September ist wahrscheinlich der schönste Monat in der Stadt. Im Juli und August ist es noch unglaublich heiß dort. Nicht nur, dass der Sommer allgemein viel wärmer und beständiger ist, als in Deutschland. In der Stadt hat man kaum eine Möglichkeit der Hitze zu entgehen. Die Temperaturen in der New Yorker UBahn sind oft noch unangenehmer. Nach einer kurzen Fahrt ist man dann schnell komplett durchgeschwitzt. Der September und Oktober sind daher die beste Zeit für eine New York Reise. Neben dem Wetter war mir sehr wichtig, den 9/11 Memorial Day mit den Memorial Lights fotografieren zu können.

Julien & Dhaoui im Roosevelt Park.

Nichts geht ohne vorherige Planung

Nachdem ich jetzt schon mehrere Fotoreisen gemacht habe, fällt mir die Planung einer solchen auch immer leichter. Bei meiner Reise 2016 nach Moskau hatte ich einen Reisepartner, welcher schon mehrmals in der Stadt war und sich gut auskannte. Dementsprechend war die Planung im Vorlauf auch etwas einfacher. Wenn man allein unterwegs ist und zudem noch nie Vorort war, ist ein gut Vorplanung unverzichtbar. Wenn man vorher nichts macht, fährt man sehr wahrscheinlich nur mit wenigen ‚guten‘ Bildern nach Hause. Trotz aller Vorplanung ist eine erste Reise immer mit vielen Überraschungen verbunden und nicht alles klappt wie vorher geplant. Oft muss man sich einen Ort erst einmal erarbeiten. Einfluss von Wetter, Licht oder Tageszeitpunkt können das Ergebnis massiv beeinflussen. Die Orte und die auch die sozialen Situationen sind in einem ständigem Wandel. Für die Reise habe ich mir 10 Tage Zeit genommen. 9/11 war in etwa der Mitte der Reise angesiedelt. So war es mir möglich vorher schon ein paar Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln. Um den Tag herum habe ich mir auch klassische, sehr bekannte Ziele ausgesucht, welche auch von vielen Touristen besucht werden. Die Aussicht vom Rockefeller Center und vom Empire State Building waren auch für mich Pflicht. Abseits davon habe ich aber auch einige andere Ziele gehabt, welche eher von den Einheimischen aufgesucht werden. Besonders außerhalb von Manhattan gibt einige tolle und weniger touristifizierte Orte. Insgesamt haben die 10 Tage nicht gereicht, um einen umfassenden fotografischen Einblick von der gesamten Stadt zu bekommen. Für Queens, Brooklyn und die Bronx hat mir zum Schluss die Zeit gefehlt.

Nachtaufnahmen in Brooklyn.

Highlights

New York ist eine unglaublich lebendige Stadt. Besonders Manhattan mit der sehr hohen Dichte ist ein Schauplatz des ständigen Spektakels. Schon kurz nachdem ich angekommen war, bekam ich eine erste Vorahnung, warum berühmte Fotografen/Fotografinnen immer wieder aus dieser Stadt kamen bzw. hier fotografieren. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass diese Stadt es einem leicht macht. Wenn man wie ich das erste mal in der Stadt ist, wird man von den ganzen Eindrücken schnell überrannt. Das ist eine große Gefahr, aber wenn man es schafft diese zu meistern, kann man tolle Bilder machen. Die ersten Tage war ich zuerst nur mit der Skyline und den Blicken auf Manhattan beschäftigt. Für mich liegen einige der besten Orte außerhalb von Manhattan. Governors Island oder Roosevelt Island sind z.B. solche Orte. Es gibt noch einige weitere, welche ich leider nicht mehr geschafft habe. Der 9/11 Memorial Day war der wichtigste Tag meiner Reise. Während der Gedenkfeier mit den Schweigeminuten war ich unmittelbarer Nähe des Gedenkparkes bei der Feuerwehrwache (FDNY 343). Die Stimmungslage während des Gedenkens war besonders interessant. Zum einen war da diese bedrückende Stimmung, wenn die Glocke in Erinnerung zu den Zeiten der Flugzeugeinschläge und dem Einstürzen der Türme geschlagen wird, zum anderen sind dort die Feuerwehr Veteranen und Angehörigen mit einer teilweise eher gelösten Stimmung, welche sich offensichtlich einfach gefreut haben, sich wiederzusehen.

Eine Stadt der Läufer.

Ausblick

Einfach irgendwo hinzureisen, um einmal dort gewesen zu sein, ist nicht mein Anliegen. Ich habe keine Liste mit Zielen, welche ich einfach nur abhake. Meine Fotoreisen sehe ich als Experimente, welche durchaus mal einen bleibenden Wert haben sollen. Wie schon nach meiner Moskau Reise war ich mir nach der New York Reise sicher, dass sich ein weiterer Besuch lohnen wird. Ein Ziel der nächsten Besuche wird sein, dass meine Bilder einen dokumentarischen Charakter erlangen. Ich denke mit meiner Reise, dem Bestehenden noch etwas hinzufügen zu können und versuche nicht einfach etwas zu machen, was es schon gibt. Ich werde wieder nur einen kleinen Teil der Bilder zeigen. Besonders die Bilder von der Straße, von den Menschen, lasse ich sehr gern etwas liegen. Die meisten Bilder gehen also erstmal in mein Archiv, um dort zu reifen.

Gear

Fujifilm X-Pro 2 mit Fujinon 28mm 2.0
Rolleiflex 3.5F
Panorama Kamera 6×12 mit 75mm Rodenstock Grandagon
Film: Kodak Tri-X, Ilford FP4+, Ilford Delta 400

Diving Into Some Fog

Beim Fotografieren heute morgen kurz nach dem Sonnenaufgang ist mir mal wieder folgende Frage in den Sinn gekommen. Wo findet man eigentlich noch den ambitionierten Fotografen, welcher sich aus der Masse der digitalen Bilderflut der heutigen Zeit abhebt? Selbst der Laie mit dem Smartphone oder die Masse an Wochenendtourismus Fotografen kann in der heutigen Zeit mit etwas Glück den richtigen Zeitpunkt für ein gutes Foto erwischen. Einige sind dann noch etwas geschickter im Umgang mit Social Media und erarbeiten sich schnell ein paar Tausend Follower. Dabei ist die Qualität der Bilder oft nebensächlich. Oft einige gute Ergebnisse, aber insgesamt oft austauschbar, so wie ein besseres Touristenfoto. Das „Nachfotografieren“ ist ein großer Trend, welche durch die vielen verfügbaren Informationen begünstigt wird. Scheinbar ist alles austauschbar geworden. Die eigenen Favoriten gehen unter den anderen tausenden Favoriten verloren. Das ist ein Effekt, den man so auch in allen anderen kreativen Bereichen finden kann. Viele Talente gehen im modernen Kommunikationszeitalter einfach unter. Wo kann man also den echten Nerd finden, welcher viellicht auch noch gut fotografiert und sich aus der Masse abhebt. Ich denke einige dieser seltenen Kreaturen kennengelernt zu haben. Von Zeit zu Zeit sehe ich diese immer wieder und zwar immer wieder an den selben Orten, wartend auf den perfekten Moment. Diese Menschen haben kein Glück, sondern Sie  erzwingen es. Im Internet findet man nur einige dieser Exoten, denn selten sind die Menschen in beiden Dingen gut. Ich weiß von einigen, dass Sie einfach gar keine Lust haben auf Social Media. Die wollen einfach nur fotografieren und das ist vielleicht auch gut so.

Ich war bereits 10x an diesem Ort. Zum dritten Mal war ich kurz nach Sonnenaufgang dort, um etwas Nebel einzufangen. Dieses Mal hat es geklappt. Ob dieses Bild jetzt das letzte war, bleibt noch offen.